Die Rentenversicherung ist aus einem ganz einfachen Grund von den niedrigen Zinsen betroffen. Und zwar drängt das Kapital, das in der Rentenversicherung investiert wird, auf den Kapitalmarkt. Es will verliehen und verzinst werden. Aber es ist zur Zeit zu viel Geld am Markt. Schuld ist die Niedrigzinspolitik der EZB, bei der sich die Banken zu null Prozent Zinsen Geld in großen Mengen leihen können. Das führt dazu, dass das Zinsniveau insgesamt auf historisch niedrigem Niveau verharrt, was die Zinsen der Rentenversicherung drückt. Und das wird länger so bleiben.

Denn die EZB knüpft die Zinsen an die Inflationsrate. Und die wird zu einem nicht unwesentlichen Teil von Einflüssen bestimmt, die länger auf niedrigem Stand verharren werden. Die erste große Position sind die Löhne, die wegen anhaltender hoher Arbeitslosigkeit in Europa kaum nennenswert steigen werden. Und der zweite große Einflussfaktor ist der Ölpreis. Und so bleibt die Inflationsrate niedrig. Die EZB, die eine Inflationsrate von 2 Prozent erreichen will, ehe sie die Zinsen anhebt, hat keinen Grund, an der Preisschraube zu drehen. Und so bleibt für die Rentenversicherung nur ein Minizins, der sogar bisweilen unter der Inflationsrate liegt.

Sicher gibt es Anlageformen, deren Verzinsung die Inflationsrate schlagen. Aber für die Rentenversicherung ist da noch das Kriterium der Bonität. Denn die Lebensversicherung darf per Gesetz ein gewisses Sicherheitsniveau nicht unterschreiten. Dieses Level bildet das mittlerweile bekannte Rating der Ratingagenturen ab. Das bestimmt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es zu einem Zahlungsausfall kommt. Man kann für eine Rentenversicherung als Versicherer hohe Verzinsung erreichen, aber es wird mit einem ungleich höheren Risiko des Verlustes bisweilen sehr teuer erkauft.

Der Garantiezins ist von der Regierung für Neuverträge in der Lebensversicherung auf 1,25 Prozent gesenkt worden. Es sollte aber dabei nicht übersehen werden, dass für die meisten Policen der Rentenversicherung dennoch deutlich mehr gezahlt wird. Denn der Garantiezins gilt für ALLE Rentenversicherungen des ganzen Landes. Er tendiert also dazu, eher den Schwachen zu helfen.

Eine gute Lebensversicherung schlägt den Garantiezins durchaus. Für Rentenversicherungen selber ergibt sich zum Beispiel die Möglichkeit, die Fondsauswahl deutlicher unter die Lupe zu nehmen. Deutlicher als die Ratingagenturen, die eine Vielzahl von Kunden haben, die sie aufgrund der Kosten-Nutzen-Relation nicht sehr genau untersuchen können. Eine gute Rentenversicherung steigt also in die konkrete Unternehmensberatung ein, statt wie früher einfach nur Papiere zu kaufen. Dadurch können bessere Renditen erwirtschaftet werden, die den Mehraufwand mehr als wettmachen.

Die Zeiten, in denen ohne besondere Anstrengung hohe Zinsen erzielt wurden, sind vorbei. Die Zeiten, in denen eine gute Lebensversicherung gute Arbeit leistet und gute Rendite bietet, nicht. Für eine gute Rentenversicherung sind solche Zeiten eine Chance, sich abzuheben.